31 August 2020

Gold - Technisches Update hinsichtlich „tief kaufen“

Obwohl wir rechtzeitig mehrere Warnungen veröffentlicht hatten, haben sowohl der jüngste Rücksetzer als auch die deutlich erhöhte Volatilität im Edelmetallsektor viele Trader und Investoren überrascht. Während die Zentralbanker wie verrückt weiter Geld drucken, sind die Preise für Gold und Silber stark zurückgegangen und haben in den letzten zweieinhalb Wochen unterm Strich eher seitwärts bis abwärts gehandelt. Um die Navigation durch diese unsicheren Zeiten zu erleichtern, habe ich beschlossen, ein etwas anderes Update als sonst zu veröffentlichen. Gold - Technisches Update hinsichtlich „tief kaufen“

Das ultimative Erfolgsprinzip: Niedrig kaufen und hoch verkaufen

Wenn Sie an den Märkten Geld verdienen wollen, gibt es im Grunde genommen nur ein einziges sehr einfaches, aber superstarkes Prinzip, dem Sie folgen müssen: Niedrig kaufen und Hoch verkaufen. Dies ist der einzige Weg, um Geld zu verdienen, und daher das wichtigste Prinzip von allen. Sie können die Reihenfolge ändern und erst hoch verkaufen und dann tief kaufen, was letztlich bedeutet, dass Sie den Markt leerverkaufen also auf fallende Kurse wetten. Aber abgesehen davon gibt es keine Abkürzung oder andere Möglichkeit, einen Gewinn zu erzielen. Dies ist das Allerwichtigste, was Sie verstehen müssen. Ich behaupte nicht, dass dies einfach wäre! Aber das Prinzip selbst ist sehr simpel. 

Um jedoch herauszufinden, ob etwas hoch oder niedrig ist, müssen Sie zunächst einmal differenzieren, in welchem Zeitrahmen Sie den jeweiligen Markt betrachten. Während etwas in einem kurzfristigen Zeitrahmen niedrig sein kann (zum Beispiel auf einem Stunden- oder Tages-Chart), kann es auf einem langfristigen Chart (Wochen- oder Monats-Chart) immer noch sehr hoch sein und umgekehrt.

Außerdem müssen Sie auch differenzieren, gegen was sie den jeweiligen Markt oder die jeweilige Aktie vergleichen. Wir wollen uns heute auf den Goldpreis gegen den US-Dollar konzentrieren, da dies noch immer die wichtigste Fiat-Währung ist, in der der Goldpreis weltweit gehandelt wird. Natürlich könnten wir den Goldpreis auch gegen andere Währungen, gegen Aktienindices wie den DAX oder den Dow Jones oder ebenso gegen andere Rohstoffe wie den Ölpreis etc. vergleichen und würden so möglicherweise zu anderen Schlussfolgerungen kommen….

Lassen Sie uns heute jedoch gemeinsam durch die aktuellen Goldcharts in USD gehen, indem wir die verschiedenen Zeitrahmen beleuchten und herausfinden, ob Gold jeweils hoch oder tief handelt und ob es sich daher um eine Kaufchance handelt oder nicht.

Gold in US-Dollar, Monatschart: Eher hoch als tief!

Gold Monatschart 31.8.2020

Gold in US-Dollar, Monatschart vom 27.August 2020. Quelle: Tradingview 

Der Monatschart liefert zunächst das ganz große Bild. Wenn Sie ein langfristiger Anleger mit einem sogenannten „Buy and Hold“-Ansatz sind, liefern Monatscharts nicht nur ihren wichtigsten Zeitrahmen, sondern auch ihr Hauptwerkzeug. Offensichtlich bewegen und verändern sich die Dinge hier sehr langsam. Es braucht Zeit, bis Signale aufkommen oder sich verändern. Vielleicht erhalten Sie lediglich einmal im Jahr ein Signal oder vielleicht auch nur einmal in jedem Jahrzehnt. Und Sie werden bei Trendveränderungen mit Sicherheit zu spät kommen, denn diese Veränderungen zeigen sich erst sehr spät auf dem monatlichen Zeitrahmen. Sobald sich jedoch ein Trend etabliert hat, können Sie ihn meist viele Jahre lang verfolgen und für sich ausnützen. Zu Ihrem Vorteil filtern Sie auch den größten Teil des täglichen und wöchentlichen Rauschens heraus und können lebensverändernde drei- bis vierstellige Gewinne erzielen, indem Sie einfach die lange Welle spielen. Negativ könnte es sich aber auswirken, dass Ihre Lernkurve eher sehr langsam ist, da Sie nur wenige Signale erhalten und daher vielleicht erst nach vielen Jahren erkennen, dass Ihre Strategie oder Ihr Ansatz oder Ihr Anlagesystem grundlegend falsch war. Da wir über Gold sprechen, möchte ich hinzufügen, dass der Monatschart zusammen mit dem Wochenchart Ihr wichtigstes Timing-Instrument für Ihre physischen Käufe sein sollte! 

Auf dem Monats-Chart ist Gold nicht niedrig

Bei der Anwendung des Prinzips "niedrig kaufen und hoch verkaufen" sollte es auf dem Monatschart offensichtlich sein, dass die Goldpreise derzeit nicht mehr niedrig sind! Stattdessen haben sie erst kürzlich mit 2.075 USD ein neues Allzeithoch erreicht! Gold ist also wahrscheinlich mehr hoch als niedrig. Folglich ist es nicht die Zeit, Gold hinterherzujagen! 

Ich muss allerdings eine Ausnahme machen! Angesichts der düsteren Aussichten für alle Fiat-Währungssysteme auf unserem Planeten ist es gerechtfertigt, Gold auf dem derzeitigen Niveau zu kaufen, wenn Sie nicht bereits wenigstens 5% Ihres Gesamtvermögens in physischen Edelmetallen halten. In diesem Fall ist der Versicherungscharakter von Gold und Silber wichtiger als ein guter und vernünftiger Einstiegspreis. Sollten Sie dagegen eine physische Grund-Position in Edelmetallen besitzen, dann sollten Sie meiner Meinung nach in den kommenden Wochen und Monaten geduldig auf etwas niedrigere Preise warten. 

Als einfache Faustregel würde ich sagen, dass sich Rücksetzer in die Zone zwischen 1.600 und 1.820 USD für eine mittelgute "Tief kaufen“-Gelegenheit qualifizieren würden.

Gold in US-Dollar, Wochenchart: Ebenfalls eher hoch als tief!

Gold Wochenchart 31.8.2020

Gold in US-Dollar, Wochenchart vom 27.August 2020. Quelle: Tradingview 

Der Wochenchart ist nicht nur für langfristige Investoren wichtig, sondern sollte auch von Swing-Tradern genutzt werden, die ihre Positionen über einige Wochen bis hin zu einigen Monaten halten wollen. Ebenso sind Wochencharts ein großartiges Instrument, um das größere Bild zu analysieren, da sich Trends und Trendveränderungen viel früher als auf dem Monatschart erkennen lassen.

Im Falle von Gold ist der Wochenchart seit dem letzten großen Tiefpunkt vom 13. August 2018 um über 900 USD angestiegen. In dieser Zeit ist der Goldpreis von 1.160 USD bis auf 2.075 USD förmlich explodiert. Logischerweise ist der Wochenchart schon deswegen eher hoch als niedrig. Sie können sehen, wie sich die Rallye in drei Trendkanälen beschleunigt hat, von denen der hellgrüne der steilste ist. Sollte dieser hellgrüne Trendkanal brechen, könnte der Goldpreis bis zum oberen Rand des nächstniedrigeren Trendkanals zwischen 1.750 und 1.820 US-Dollar zurückfallen und diesen auf Unterstützung testen.

Beachten Sie auch, dass der Stochastik Oszillator nach einem mehr als dreimonatigen Verbleib in der überkauften Zone nun ein Verkaufssignal abgegeben hat. Daher ist das extrem bullische Momentum auf dem Wochenchart verloren gegangen. Der Wochenchart würde erst wieder eine neue "tief kaufen"-Gelegenheit signalisieren, sobald der Stochastik Oszillator seinen überverkauften Bereich unterhalb von 20 erreicht hat. Rücksetzer zumindest bis in neutrale Gefilde um 50 herum würde nur eine mittelmäßige „"tief kaufen"-Gelegenheit liefern. Zuletzt geschah dies Mitte März beim "Corona-Crash". Eine wirklich gute, weil überverkaufte Gelegenheit ergab sich zuletzt im Dezember 2019.

Insgesamt können Sie auf dem Wochenchart auch erkennen, dass Gold Ihnen zwei sehr gute "tief kaufen"-Einstiege im Jahr 2019 und bislang einen mittelguten "tief kaufen"-Einstieg im laufenden Jahr 2020 bescherte. Daher sollte sich im weiteren Jahresverlauf zumindest noch eine gute bis sehr gute " tief kaufen"-Gelegenheit ergeben! Wie so oft beim Investieren und Traden müssen Sie Geduld haben und den Markt zu sich kommen lassen!

Gold in US-Dollar, Tageschart: Weder tief noch hoch!

Gold Tageschart 31.8.2020

Gold in US-Dollar, Tageschart vom 27.August 2020. Quelle: Tradingview

Der Tageschart ist vor allem ein wichtiger Zeitrahmen für Day-Trader und Swing-Trader, aber auch mittel- und langfristige Investoren sollten ihn nutzen, um ihre Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu optimieren. Auf dem Tageschart können jede eine Menge Lärm und kurzfristige Schwankungen allerdings leicht dazu führen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennt. Je schneller die Bewegungen und je kürzer die Handels-Frequenzen, desto stärker können sich Emotionen plötzlich auf Ihren Entscheidungsfindungsprozess auswirken und ihr Trading und Investieren sabotieren.

Betrachtet man den Tageschart für Gold, so sind die aktuellen Preisniveaus um 1.940 USD nach dem kürzlichen Höchststand von 2.075 USD nicht mehr wirklich als hoch zu bezeichnen. Der jüngste Tiefststand um 1.860 USD ist jedoch auch immerhin 80 USD entfernt. Daher ist der Goldpreis auf seinem Tageschart im Moment weder als niedrig noch als hoch zu qualifizieren. Stattdessen handelt Gold mehr oder weniger in einer Seitwärtsspanne und versucht wahrscheinlich, einen kurzfristigen Boden zu finden. Daher liegt auf dem Tageschart vermutlich keine Kaufchance und ganz sicher keine Verkaufschance vor. Letztlich ist der Tageschart eher neutral. 

Gold in US-Dollar, 4-Stunden Chart: Gestern war er tief!

Gold 4 Stunden Chart 31.8.2020

Gold in US-Dollar, 4-Stunden Chart vom 27.August 2020. Quelle: Tradingview

Die letzte Zeiteinheit, die wir beleuchten, ist der 4-Stunden-Chart. Daytrader werden natürlich noch viel weiter in die jeweiligen Märkte hineinzoomen müssen, aber für unsere Zwecke ist die Analyse bis hierhin mehr als ausreichend. 

Wie Sie sehen können, ist der Goldpreis in den letzten sechs Handelstagen langsam, aber doch klar in Richtung Süden gerutscht. Am Mittwochnachmittag kam es erwartungsgemäß zu einer kurzfristige Bodenbildung im Bereich um 1.902 USD und einer Trendumkehr mit einer großen und einer kleinen grünen Kerze. Zuvor machten die Bären nur zähe Fortschritte, während die Stochastik zunehmend eine überverkaufte Konstellation andeutete. Zudem war die Zone zwischen dem alten Allzeithoch bei 1.920 US-Dollar und der runden psychologischen Marke von 1.900 US-Dollar eine logische Unterstützung.

Kurz vor der Rede des US-Notenbankpräsidenten beim heutigen Treffen in Jackson Hole konnte der Goldpreis gestern also ein kurzfristiges Tief verzeichnen und sich sodann um 50 USD ziemlich deutlich erholen. Die überverkaufte Lage ließ uns gestern richtigerweise vermuten, dass der Goldpreis nicht unmittelbar vor einem weiteren Abverkauf stand, sondern eine Erholung nur noch eine Frage von wenigen Stunden bzw. maximal ein bis zwei Handelstagen war. Die gestrige „tief kaufen“ Chance ist mit dem deutlichen Anstieg aber bereits wieder hinfällig. Technisch benötigt der Goldpreis nun einen Anstieg klar über 1.970 USD, um den Abwärtstrend auf dem Tageschart zu neutralisieren.

Schlussfolgerung: Gold - Technisches Update hinsichtlich „tief kaufen“

Wenn Sie all die verschiedenen Zeitrahmen durchgehen und miteinander kombinieren, können Sie sehen, dass allesamt unterschiedliche Signale bzw. Botschaften senden. Im Idealfall harmonieren die Aussagen, was bedeutet, dass wir unsere Chancen erhöhen und dementsprechend handeln könnten, indem wir Positionen aufbauen, die wir über einen längeren Zeitraum halten könnten. Leider ist das im Moment aber nicht der Fall, da der Monatschart einfach nur zur Geduld mahnt, während der Wochenchart gerade erst in eine Korrektur hinein zu kippen droht. 

Daher sollte jede kurzfristige Kaufgelegenheit auf dem Tages- und insbesondere auf dem 4-Stunden Chart auch nur als solche behandelt werden - eine kurzfristige Handelsgelegenheit mit einem kurzfristigen Zeithorizont. Große physische Käufe zum Beispiel gehören sicherlich nicht in diese Kategorie. Auch Strategien zum langfristigen Kaufen und Halten von Minenaktien würden eher nicht wirklich in diese Kategorie passen. Optionen, Zertifikate und gehebelte Produkte mit einem mehrwöchigen und längeren Zeithorizont machen im gegenwärtigen nicht-trendigen Umfeld sicherlich auch keinen Sinn. Tatsächlich werden vermutlich alle mehrwöchigen trendfolgenden Trade-Ansätze in den kommenden Wochen nicht erfolgreich sein, denn ein wildes und zähes Hin- und Her ist das wahrscheinlichste Szenario.

Aber Sie konnten gestern versuchen, ein paar Tage lang einen Aufschwung der Gold- und Silberpreise zu spielen. Zum Beispiel von 1.905 USD bis vielleicht 1.950 USD oder 1.970 USD. Dabei mussten Sie aber vermutlich mehr als 45 USD riskieren, wenn Sie das jüngste Tief bei 1.861 US-Dollar als halbwegs sinnvollen technischen Stopp nutzen wollten. Gleichzeitig ist das Aufwärtspotenzial wahrscheinlich auf 50 bis 80 USD beschränkt. Insgesamt ergibt sich daraus kein sehr gutes Risiko/Chancen-Verhältnis, denn Sie hätten mindestens 45 USD riskiert, um vielleicht 50 bis 80 USD zu gewinnen. 

Meine bescheidene Schlussfolgerung lautet daher, den Goldmarkt einfach für einige Zeit eher zu meiden und einfach geduldig auf das nächste vielversprechende Setup mit geringem Risiko zu warten. Ich denke, dass sich bei Goldpreisen zwischen 1.750 und 1.820 USD eine sehr gute Gelegenheit für einen schönen Swing-Trade sowie für längerfristige Investitionen in den Minenaktien und insbesondere für größere physische Käufe von Gold und Silber ergeben könnte.

Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com

Kostenloser Newsletter

Autor: celticgold.eu

Älter Gold – Der Goldrausch 2020 ist vorläufig beendet Neuer Bitcoin – Kurse unter 10.000 USD unbedingt nützen