2 März 2020

Bitcoin – Die Krise als Chance begreifen

1) Rückblick

Seit dem 18.Dezember verzeichneten sowohl der Bitcoin als auch zahlreiche Altcoins eine massive Erholung. Diese trieb den Bitcoin in gerade mal acht Wochen mit einem Plus von 62% auf ein Hoch bei 10.500 US-Dollar. Altcoins wie Ethereum (+146%), DASH (+275%), EOS (+154%), Binance Coin (+125%), ZCoin (+250%) und BAT (+120%) explodierten förmlich von den ausgebombten Tiefstständen im Dezember.

Seit gut zwei Wochen ist der Kryptosektor jedoch in eine zunächst vollkommen normale und gesunde Gegenbewegung übergegangen. Mit dem schwarzen Schwan „Coronavirus“ und den dadurch crashenden Finanzmärkten hat sich dieser Rücksetzer in den letzten Tagen jedoch deutlich ausgeweitet. Dabei ist der Bitcoin bislang bis auf 8.450 US-Dollar (-19,4% seit dem Januar-Hoch) zurückgefallen. Noch bewegt sich dieser Rücklauf im Rahmen. In dem derzeit panischen Umfeld ist die Gefahr tieferer Rückschläge aber nicht von der Hand zu weisen. Mit einem Plus von 19,45% seit Jahresanfang stellt der Bitcoin allerdings auch weiterhin alle anderen Finanzanlagen in den Schatten!

2) Chartanalyse Bitcoin in US-Dollar

Bitcoin Wochenchart 2.3.2020

Quelle: Tradingview 

Je nachdem wie man die Serie der tieferen Hochpunkte der letzten zwei Jahre miteinander verbindet, ist der Bitcoin direkt an dieser Abwärtstrendlinie und eben leicht darunter am 12. und 13.Februar bei 10.500 US-Dollar abgeprallt. Da sich gleichzeitig von unten der langfristige Aufwärtstrend nach oben schiebt, läuft der Bitcoin im ersten Halbjahr 2020 in die Spitze eines riesigen Dreiecks hinein. Dessen Auflösung dürfte eine deutliche Kursbewegung auslösen. Kann der Bitcoin dieses Dreieck bzw. die Abwärtstrendlinie bis zum Sommer nach oben überspringen, dürfte eine schnelle Rally bis zur nächsten Widerstandszone um 13.500 bis 14.000 US-Dollar folgen. Oberhalb dieser Zone wartet dann bereits das Allzeithoch bei 20.000 US-Dollar!

Da die gestartete Korrektur mittlerweile ein Verkaufssignal beim Stochastik Oszillator ausgelöst hat, müsste es in den kommenden Wochen zunächst aber nochmal tiefere Kurse geben. Neben der Aufwärtstrendlinie (aktuell bei ca. 7.800 US-Dollar) sind als mögliche Kursziele noch das 61,8%-Retracement der vorangegangen Aufwärtswelle bei 7.231 US-Dollar sowie generell die Unterstützungszone 8.200 bis 7.700 US-Dollar zu nennen. Noch enger definiert ergibt sich daraus ein potenzielles Tief zwischen 7.200 und 7.800 US-Dollar.

Zusammengefasst kippt der Wochenchart momentan auf bärisch. Kommt es zu einem tiefen Rücksetzer unter 7.800 US-Dollar, ergibt sich dadurch aber nochmal eine wunderbare Kaufgelegenheit. Möglicherweise handelt es sich dabei dann sogar um die letzten gute Einstiegschance, bevor der Bitcoin auf ganz neue Höhen durchstartet. Schließlich könnte mit dem Ausbruch aus dem übergeordneten Dreieck ab dem Frühsommer die nächste Bitcoin-Hausse endgültig beginnen.

Bitcoin Tageschart 2.3.2020

Quelle: Tradingview

Auf dem Tageschart scheint sich seit dem letzten Herbst eine umgedrehte Schulter-Kopf-Schulter Formation zu entwickeln. Die Nackenlinie bewegt sich dabei zwischen 10.350 und 10.500 US-Dollar. Das Kursziel für die rechte Schulter liegt bei ca. 7.200 bis 7.400 US-Dollar. Diese Formation hat nach ihrem Abschluss das Potenzial, die Bitcoin Notierungen in Richtung 16.500 bis 17.000 US-Dollar zu katapultieren.

Kurzfristig ist der Tageschart jedoch überverkauft, so dass jederzeit scharfe Erholungsbewegung möglich werden. Zudem pendeln die Notierungen aktuell um die 200-Tagelinie (8.749 US-Dollar), welcher auch im hochvolatilen Bitcoin-Handel eine gewissen Bedeutung zukommt. Ein Unterschreiten könnte die überwiegend emotional handelnden Marktteilnehmer allerdings dazu bewegen, ihre Bitcoins wenige Monate vor der nächsten großen Aufwärtswelle auf den Markt zu schmeißen… 

In der Konklusion ist der Tageschart bärisch, aber kurzfristig deutlich überverkauft. Scharfe Erholungsbewegungen sind nun jederzeit möglich, im aktuellen vom Corona Virus geprägten Panik-Umfeld aber nicht unbedingt zu erwarten. Unterhalb von 8.000, und insbesondere unterhalb von 7,800 US-Dollar sollte man in diesem Frühjahr dann aber mit beiden Händen in die schwachen Kurse unbedingt nochmals zugreifen.

3) Terminmarktstruktur Bitcoin

Bitcoin Futures 2.3.2020

Quelle: Barchart 

Obwohl der Bitcoin Future erst seit dem 17.Dezember 2017 mit dem Symbol XBT an der CBOE und mit dem Symbol BTC an der CME gehandelt wird, bietet der immer freitagabends veröffentlichte CoT-Report (Commitment of Trades) einen interessanten Überblick über die Positionierungen und ist in jedem Fall eine Hilfe bei der Analyse des Bitcoin Marktes.

Futures sind hoch regulierte, aber fremd- oder marginfinanzierte Finanzprodukte, die auf Sicherheitshinterlegung (Margin) gehandelt werden. Dabei wird nur ein geringerer Einsatz benötigt und ein deutlich größerer Wert bewegt. Bei der CME handelt man 5 Bitcoins pro Kontrakt, d.h. bei einem Preis von 10.000 US-Dollar pro Bitcoin, kostet ein Bitcoin Future 50.000 US-Dollar. Um den Bitcoin März Future zu handeln, benötigt man derzeit eine hinterlegte Margin von 14.355 US-Dollar. D.h. man ist mit einem Hebel von mind. 3,5 unterwegs. In einer hochvolatilen Assetklasse wie dem Bitcoin können die Tagesschwankungen bei einer Bitcoin Future Position also leicht 10-30% ausmachen. 

Das Augenmerk unserer Analyse gilt bei den sogenannten Terminmarktreporten (CoT-Report) normalerweise vor allem extremen Konstellationen sowie der grundsätzlichen Positionierung des „professionellen Geldes“. Die Profis (auch Commercials genannt) sind beim Bitcoin Future bislang aber kaum aktiv, da es noch nicht viel Investmentprodukte gibt, welche über den Future gehedgt werden müssten.

In den letzten zwei Jahren hat sich jedoch vor allem die Untergruppe der sogenannten „Other Reportables“ mit einer sehr erfolgreichen antizyklischen Vorgehensweise hervorgetan. Die Gruppe der „Other Reportables“ wird im normalen CoT-Report gar nicht einzeln aufgelistet und repräsentiert alle meldepflichtigen Trader, die nicht einer der drei Gruppen der Produzenten, Swap Dealer oder Money Manager zugerechnet werden können.

Diese „Other Reportables“ haben in den letzten Wochen mit kumulierten 1.703 Kontrakten die höchste Long-Position aller Zeiten aufgebaut. Bedenkt man den hervorragenden Track-Rekord dieser Gruppe, ist das eine vielversprechende Ausgangslage für deutlich steigende Preise in den kommenden Monaten. Auf der Gegenseite haben die „leveraged funds“ hingegen 2.737 Terminkontrakte leerverkauft. Hier wurden also Bitcoins auf Termin leerverkauft, die diese Gruppe gar nicht besitzt, sondern nur auf dem Papier handelt. Angesichts des anstehenden Halvings und der damit einhergehenden Angebotsverknappung, fragt man sich schon, wie man so ein Risiko eingehen.

Insgesamt liefert die Analyse des aktuellen CoT-Reports ein überraschend bullisches Signal. Die erfolgreiche Gruppe der „other reportables“ baut seit Wochen ihre Long-Position immer weiter aus, während die gehebelten Spekulanten massiv short sind. In unseren Augen ein idealer Nährboden für eine weitere spektakuläre Aufwärtsbewegung beim Bitcoin! Allerdings muss dazu gesagt werden, dass sich der CoT-Report nicht unbedingt als gutes Timing-Tool erweist. Extreme Zustände können hier teilweise über Monate anhalten.

4) Sentiment Bitcoin

Bitcoin Optix 2.3.2020

Quelle: Sentimentrader

Bitcoin Crypto and Fear 2.3.2020

Quelle: Crypto Fear & Greed Index

Bitcoin Fear and Greed Index 2.3.2020

Quelle: Crypto Fear & Greed Index

Mitte Dezember war die Stimmung aufgrund der fast sechs Monate währenden Korrektur im Sektor auf einen Tiefststand gefallen. Sowohl der Bitcoin Optix von Sentimentrader als auch der wesentlich ausführlichere „Fear & Greed Index“ lieferten zu diesem Zeitpunkt antizyklische Kaufsignale. Ende Januar hingegen waren etwas zu optimistische Werte zu beobachten, so dass der Rücksetzer der letzten Wochen nur logisch ist. Aktuell bewegt sich das Stimmungsbarometer erneut in Richtung Pessimismus und Angst.

Trotz ersten Anzeichen einer Panik in den letzten Tagen liefert der Fear & Greed Index bislang noch kein antizyklisches Kaufsignal. Dazu müsste das Barometer noch zumindest unter Werte von 20, idealerweise unter Werte von 15 fallen. Sollte der Bitcoin noch bis in den Bereich um 8.000 US-Dollar weiter korrigieren, könnte es aber soweit sein.

5) Saisonalität Bitcoin

Bitcoin Saisonalität 2.3.2020

Quelle: Seasonax 

Trotz der überschaubaren Datenreihe hat sich beim Bitcoin in den letzten neun Jahren ein erstes saisonalen Muster etabliert, welches durchaus als nützliches Werkzeug beim Timing herangezogen werden kann. betrachtet steht der Kryptosektor demnach aktuell am Beginn einer Aufwärtsbewegung, welche typischerweise bis in den Sommer hinein anhalten kann. Gut möglich, dass der Corona Virus dieses Muster in diesem Jahr etwas durcheinanderwirbelt und die nächste mehrmonatige Aufwärtswelle dieses Mal erst später startet.

Die saisonale Komponente ist jedenfalls ab Ende Februar zunehmend günstig und unterstützt steigende Bitcoin-Kurse bis in den Sommer hinein.

6) Bitcoin gegen Gold

Bitcoin vs Gold 2.3.2020
Quelle: XE

Derzeit kostet ein Bitcoin 5,49 Unzen Gold. Andersherum gerechnet muss man für eine Unze Gold aktuell 0,181 Bitcoin bezahlen! Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin damit gegen Gold ein gutes Stück aufgewertet. Im großen Bild läuft das Bitcoin/Gold-Ratio weiterhin in ein riesiges Dreieck hinein. In welche Richtung dieses riesige Dreieck aufgelöst werden wird, lässt sich aktuell noch nicht seriös vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Oberseite passieren wird, ist mittlerweile aber dank dem erneuten Test der Oberkante im Januar erhöht! Wichtig ist vor allem, dass man sich dieser Konstellation bewusst ist. Denn sobald sie aufgelöst wird, dürfte eine der beiden Assetklassen gegen die andere dramatisch aufwerten.

Grundsätzlich sollte man in beiden Asset-Klassen investiert sein. D.h. mindestens 10% und maximal 25% seines Gesamtvermögens sollte man in Edelmetalle (primär physisch) anlegen, während man in Kryptos und vor allem im Bitcoin mindestens 1% und maximal 5% halten sollte. Wer sich mit den Krypto-Währungen und Bitcoin sehr gut auskennt, kann individuell sicherlich auch höhere Prozentzahlen in Bitcoin allokieren. Für den normalen Anleger, der natürlich vor allem in Aktien und Immobilien investiert ist, sind 5% im hochspekulativen und hochvolatilen Bitcoin aber schon sehr viel. Sollte das Dreieck zugunsten des Bitcoins aufgelöst werden, empfiehlt sich eine höhere Bitcoin-Gewichtung.

7) Fazit und Empfehlung

Der Corona Virus sorgte in der abgelaufenen Handelswoche für einen krassen “schwarzen Schwan” an den Finanzmärkten und für massive Abschläge in allen Anlageklassen. In einem panischen Handel trennten sich Anleger von so ziemlich allem. Auch der Bitcoin geriet gleich zu Wochenbeginn stark unter Druck und gab im Wochenverlauf in der Spitze insgesamt knapp 1.000 US-Dollar ab. In der aktuellen Panik braucht niemand Bitcoin. Alles was kurzfristig zählt ist Cash. 

Spielt man die möglichen Folgen der Corona Virus Krise aber mal durch, kommt man im worst case zu dem Schluss, dass die Notenbanken und Regierungen früher oder später massive Liquiditätsmaßnahmen einleiten werden. In Verbindung mit den dann gestörten Logistikketten und Hamsterkäufen werden Waren und Lebensmittel möglicherweise knapp, während das Geldangebot dramatisch steigt. In der Folge dürften die Preise durch die Decke schießen und die Folgen der jahrelangen Geldmengenausweitung in kürzester Zeit an der Supermarktkasse sichtbar werden. Dann schlägt die Stunde der knappen und sicheren Häfen. Bitcoin ist einer davon – und im digitalen 21.Jahrhundert vermutlich der rarste. 

Charttechnisch stehen dem Bitcoin wohl noch einige schwierige Wochen bevor. Die potenzielle Schuler-Kopf-Schulter Formation deutet auf ein Tief im Bereich um 7.200 bis 7.800 US-Dollar hin und könnte auf lange Zeit die letzte wirklich gute Chance für den Einstieg liefern. Antizyklische Anleger begreifen die aktuelle Krise daher als Chance.

Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com

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Autor: celticgold.eu

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